Demografischer Wandel

Ansichten

Kinderhand in Erwachsenenhand
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen werden sich in absehbarer Zukunft deutlich ändern, durch den Demographischen Wandel und die neue Verteilung finanzieller Belastungen zwischen den Generationen. Der Demographische Wandel ist deutlich mehr als Bevölkerungsrückgang und veränderter Altersaufbau.

Die Familienstruktur verändert sich, Menschen aus ländlichen Regionen wandern ab, das Zahlenverhältnis der Geschlechter gerät regional aus der Balance, die Bevölkerung setzt sich in Hinblick auf ihren kulturellen Hintergrund anders zusammen. Aus all dem ergibt sich ein Handlungsbedarf im Interesse der jetzt jungen als auch aller zukünftigen Generationen.

Im Demografischen Wandel steckt eine Chance, steckt Potenzial für Kreativität und neue Wege. Im Interesse der Kinder und Jugendlichen kann der Wandel vorausschauend gestaltet werden, wenn die Verantwortlichen – vor allem in Politik und Gesellschaft – die Entwicklungen in all ihren Facetten kennen und bei Planungen einbeziehen. Es bedeutet, besonders die Belange von Kindern und Jugendlichen angemessen zu berücksichtigen.

Der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung sinkt, der Anteil älterer Menschen steigt. Deswegen sehen Kinder und Jugendliche die Gefahr, dass ihre Interessen nur noch Randthema sind oder völlig übersehen werden. Gleichzeitig werden junge Menschen zunehmend als „knappes Gutes“, als geringer werdende Ressource gesehen und nicht als selbstbestimmte Individuen mit dem Recht auf Freiräume, Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten wie es im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJG/SGBVIII) als Ziel beschrieben ist. Es ist deswegen im Interesse der Kinder und Jugendlichen, soziale Sicherungssysteme, also vor allem die Renten- und Krankenversicherung, zukunftsfest zu machen.

Gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise dürfen Maßnahmen nicht zu Lasten der jungen Menschen und der Generationengerechtigkeit gehen. Kinder und Jugendliche müssen sich auch in Zukunft darauf verlassen können, dass der Sozialstaat handlungsfähig bleibt und ein gerechter Lastenausgleich zwischen den Generationen besteht.
 

Forderungen

  • Chancengleichheit und Teilhabe muss für alle Kinder und Jugendlichen sichergestellt werden – unabhängig von der Region, in der sie leben.
  • Das Rentensystem ist zu einem Umlagesystem umzubauen, das den erworbenen Lebensstandard auch der jetzt jungen Generation im Alter sichert. Mittelfristig sind alle Erwerbstätigen (auch Beamte und Selbständige) sowie alle Einkommensformen in die Umlagesysteme der Renten- und Krankenversicherung einzubeziehen.
  • Für alle Kommunen und Regionen muss gleichermaßen gelten, dass eine auf junge Menschen ausgerichtete, soziale Infrastruktur (Kindertagesstätten, Einrichtungen der Jugend- und Bildungsarbeit, bezahlbarer Wohnraum für Familien, Ausbildungs- und Arbeitsplätze) geschaffen und erhalten wird, weil sie einer der wichtigsten Faktoren gegen Abwanderungstendenzen ist.
  • Eine vielseitige und qualitativ hohe Jugendarbeit in allen Regionen Deutschlands muss gewährleistet werden, um die wachsenden Probleme für junge Menschen durch den Rückgang des Anteils junger Menschen an der Gesamtbevölkerung nicht weiter zu vergrößern. Ihre Bedürfnisse und Forderungen an die Gesellschaft sind anzuerkennen. Dünn besiedelte Gebiete dürfen nicht „aufgegeben“, bzw. radikalen Strömungen überlassen werden. Vor allem die Kinder- und Jugendverbände und ihre Zusammenschlüsse müssen in diesen Aufgaben gestärkt werden.
  • Die finanziellen Mittel, die durch eine zurückgehende Zahl potentieller Nutzer/innen der Einrichtungen und Angebote der Jugendhilfe frei werden, müssen genutzt werden, um die Qualität der Angebote insgesamt zu verbessern.
  • Die Höhe der finanziellen Mittel, die derzeit für schulische Bildung ausgegeben werden, darf auch bei demographisch bedingt sinkender Zahl der Schüler/innen nicht zurückgehen. Diese Mittel müssen genutzt werden, um die Qualität des Bildungssystems zu verbessern und die finanzielle und personelle Ausstattung der Schulen so zu gestalten, dass sie die an sie gerichteten gesellschaftlichen Anforderungen und bildungspolitischen Ansprüche genügen können.

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