Arbeit und Soziales

Ansichten

Bettelnder Mann
Menschen brauchen Sicherheit, vor allem Kinder und Jugendliche. Sie brauchen etwas zum Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Schutz vor Gewalt. Und sie brauchen auch finanzielle Sicherheit. In einer Gesellschaft, in der diese finanzielle Sicherheit vor allem durch Erwerbsarbeit entsteht, droht bei Verlust des Arbeitsplatzes in einem großen Teil der Bevölkerung Armut. Arbeitslosigkeit und Armut bedeuten meist, weniger in die Gesellschaft eingebunden zu sein.

Die Zahl derer, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind, steigt. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche sowie Menschen in den östlichen Bundesländern. In vielen Haushalten reicht nicht einmal der Arbeitslohn für den Lebensunterhalt. Prekäre Beschäftigungssituationen nehmen in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu. Arbeitsverträge werden häufig befristet, Leiharbeit wird ausgeweitet. Arbeit wird nicht angemessen bezahlt. Es fällt auf, dass junge Frauen häufiger von prekärer Beschäftigung betroffen sind als junge Männer; deutlich wird das in durchschnittlich schlechter Bezahlung und schlechten Aufstiegschancen.

Ein Grundeinkommen ohne Bedürftigkeitsprüfung kann Sicherheit schaffen, kann finanzielle, zeitliche und gestalterische Freiräume erhalten und öffnen. Ein Grundeinkommen verschafft Wahlmöglichkeiten zwischen Erwerbstätigkeit, Familienarbeit, Weiterbildung und Ehrenamt. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust schwindet, das Leben hängt nicht mehr allein am Job. Außerdem bringt der Systemwechsel von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld zum Grundeinkommen den Abschied vom Stigma der „Bedürftigkeit“.

Ein gerecht bezahlter Arbeitsplatz bleibt bis zum Systemwechsel zugunsten eines Grundeinkommens Basis für die Teilhabe an der Gesellschaft. Jugendliche brauchen ausreichend qualifizierte Ausbildungsstellen und eine freie Berufswahl, damit sie eigene Perspektiven entwickeln und auf eigenen Beinen stehen können. Der Staat trägt eine Verantwortung, Arbeitsplätze und gerechte Löhne zu sichern sowie Jugendlichen eine Perspektive nach Ausbildung und Studium zu bieten.
 

Forderungen

  • Armut muss durch alle Bereiche der Politik aktiv bekämpft werden.
  • Ein Grundeinkommen muss eingeführt werden. Auch Kinder und Jugendliche müssen dieses Grundeinkommen erhalten. Solange es dieses Einkommen nicht gibt, sind Kinder und Jugendliche angemessen zu fördern. Allerdings darf die Förderung nicht dazu führen, dass sie ausgegrenzt werden. Konkret heißt das: Die Hartz-IV-Sätze sind nach dem tatsächlichen Bedarf auszurichten.
  • Ausreichend Ausbildungsplätze müssen geschaffen werden. Die Politik muss die Unternehmen in die Pflicht nehmen, entsprechende Stellen zu schaffen.
  • Der Zugang zu guter und gerecht entlohnter Arbeit muss für jede/n möglich sein. Prekäre Beschäftigung muss abgeschafft werden. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung darf nicht durch die Subventionierung so genannter Mini-Jobs verdrängt werden.
  • Wer befristet beschäftigt ist, muss einen gesetzlichen Anspruch auf Übernahme erhalten, wenn im Unternehmen ein Bedarf an Arbeitskräften mit entsprechender Qualifikation besteht.
  • Das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss umgesetzt werden. Das gilt sowohl für Frauen und Männer, als auch für Stammbelegschaft und Randbelegschaften (z. B. Leiharbeitnehmer/innen). Das Problem „working poor“, also Armut trotz Erwerbsarbeit, muss bekämpft werden.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle schaffen größere Freiräume, die Vereinbarkeit von Bildung, Erwerbs- und Familientätigkeit sowie freiwilligem Engagement für beide Geschlechter steigt. Es müssen Angebote her, in denen Kinder ganztägig und umfassend betreut werden, damit Mütter wie Väter einen Job annehmen können. Tätigkeiten im Bereich Bildung, Betreuung und Pflege sollten besser entlohnt werden.

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